Mein Geschenk für euch zum 100. Blogbeitrag: Ein therapeutisches Märchen

Märchen haben eine tolle, unbewusste Wirkung auf die Psyche! Ich habe für euch ein Märchen zur Angstbewältigung in Corona-Zeiten geschrieben und aufgesprochen:-).

Viel Spaß beim Hören und Lesen!

Die Weggabelung 

Ein Märchen zur Angstbewältigung bei Corona

1. Der Auszug aus dem Dorf

Es war einmal ein kleines Mädchen namens Emilia, das lebte wohlbehütet bei seinem Schäfer Archimides und seiner Schafherde. Es liebte das Dorf auf den Hügeln, es liebte den Schäfer und es liebte die Schafe. Doch eines Tages nahm der Schäfer Archimides Emilia zu sich und sagte:

„Mein Kind, ich habe an einem Schaf gesehen, dass bald die Schafspest ausbrechen wird. Bleib nicht hier. Geh deines Weges.“

Emilia wurde sehr traurig, denn sie wollte ihren geliebten Schäfer und ihre geliebten Schafe nicht verlassen. Aber sie traute sich nicht, zu widersprechen. Und so verließ Emilia zum ersten Mal in ihrem Leben ihr Dorf, weil sie Angst hatte, dass sie sonst auch an der Schafspest sterben würde.

Emilia ging den Weg aus ihrem Dorf hinaus und fühlte sich sehr unsicher und verwirrt und wusste überhaupt nicht, wolang sie gehen sollte. Zum Glück ging der Weg geradeaus und so folgte sie ihm einfach, bis sie eines Tages zu einer Kreuzung kam. Einer Weggabelung mit drei Wegen. Ein Weg führte einen sehr steilen Berg hinauf, ein anderer Weg wurde von einem reißenden Fluß durchkreuzt und der letzte Weg führte mit Geröll steil abwärts.

Emilia wusste einfach nicht, welchen Weg sie gehen sollte. Sie hatte einfach wahnsinnige Angst und so blieb sie zehn Jahre an der Weggabelung sitzen, weil sie so verzweifelt war und Angst hatte, die falsche Entscheidung zu treffen.

2. Der Frosch

Eines Tages kam ein Frosch vorbei, dessen Art sie noch nie gesehen hatte. Ein wunderbarer leuchtendrotgelber Frosch. Der Frosch hüpfte übermütig den Weg entlang, der von einem Fluß gekreuzt wurde und mit einem großen Satz sprang er über den Fluß hinüber.

Da sagte Emilia zu sich: „Ich habe bereits zehn Jahre an dieser Weggabelung gewartet. Ich will nicht mein ganzes Leben verschwenden. Ich werde jetzt einfach den Flußweg wählen und schauen, ob ich ihn so einfach wie der Frosch überqueren kann.

Und so machte Emilia sich auf den Weg und stellte fest, dass der Fluss gar nicht so tief war und dass es den Fluss mit Wasser bis zu den Hüften durchqueren konnte. Da war sie auf einmal sehr glücklich und hatte keine Angst mehr vor dem Fluss.

Sie ging weiter, bis ihr eine Gruppe von Wanderen entgegenkam. Sie sagten zu ihr:

„Bist du wahnsinnig, dass du diesen Weg gehst? Es wird noch ein noch reissenderer Fluss kommen und du wirst ihn nicht durchqueren können!“

Deprimiert kehrte Emilia zu ihrem Ausgangspunkt an der Weggabelung zurück. Nun war aber ihr Lebensmut gestiegen, da sie zumindest schon einmal einen kleinen Fluß durchwatet hatte. Und so beschloß sie, den steilen Bergweg in Angriff zu nehmen. Sie begann den Aufstieg. Die Luft wurde immer dünner und dünner. Aber Emilia wusste, dass sich ihr Körper daran gewöhnen würde. Da kamen ihr erneut Wanderer entgegen und meinten:

„Oh, unterhalb des Gipfels liegen soviele Leichen. Kehre um, sonst wirst du auch tot dort liegen!“ Und die Wanderer machten Emilia soviel Angst, dass sie abermals zu ihrem Ausgangspunkt an der Weggabelung zurücklief.

Aber Emila gab nicht auf. Sie nahm den Weg, der steil nach unten ging und der voller Geröll war. Und sie bemerkte, dass sie einfach an der Seite an dem Geröll vorbeigehen konnte und so nicht Gefahr lief, nach unten zu rutschen. Emilia war sehr stolz auf sich, als sie unten ankam und nur noch vereinzelt kleine Steine ihren Weg kreuzten.

Aber wieder kamen Emilia Wanderer entgegen und sagten zu ihr: „Oh weiter unten ist ein unüberwindlicher Abrgrund, den wirst du niemals überwinden können.“

Tief deprimiert kehrte Emilia zum dritten Mal zurück zur Wegeskreuzung. Und dort saß sie verängstigt, verlassen und allein, bis sie schon ganz grau war.

3. Der Sohn des Schäfers

Da kam eines Tages ein mittelalter Mann aus der Richtung des Dorfes, der dem Schäfer Archimides sehr ähnlich sah. Er grüßte die alte Frau und auf einmal wurde Emilia bewusst, dass der Sohn des Schäfers Archimides vor ihr stand. Und da begann sie bitterlich zu weinen und erzählte ihm von ihren vergeblichen Wegen, bis sie sich herzlich in die Arme fielen.

Der Sohn des Schäfers blickte die alte Frau traurig an und meinte:

„Weisst du, auf allen drei Wegen gibt es irgendwann Geröll, Steine und Wasser, das zu durchqueren ist. Du hättest auf allen drei Wegen die gleichen Herausforderungen gehabt. Aber du hast dir leider von den Wanderern Angst machen lassen. Komm, wir gehen gemeinsam einen Weg, egal welchen.“

Und so entschied sich die alte Frau für den Bergweg. Der Sohn des Schäfers und die alte Frau begannen den Aufstieg und die Luft wurde immer dünner und dünner. Da kamen sie zu einem Fluß, den sie mit Wasser bis zu den Schultern durchquerten und sie kamen zu einem Geröllabhang, den sie einfach an der sicheren Seite hinunterstiegen.

Als sie auf dem Gipfel angelangt waren, sah Emilia, dass alle drei Wege zum Meer geführt hätten…

Emilia blickte sehnsüchtig in die Ferne und vermeinte, den salzigen Duft des Meeres riechen zu können. Eine durchsichtige Träne rollte ihr über die faltige Wange. Den Sohn des Schäfers rührte der Anblick von Emilia in diesem Moment zutiefst. Ohne nachzudenken gab er ihr einen Kuss auf die Stirn.

In diesem Moment begannen Emilias Augen zu leuchten und es passierte etwas Magisches: Ihre Falten straffen sich, ihr Rücken richtete sich auf und ihre Haare verloren das Grau. Auf einmal war sie im Alter des Sohns des Schäfers, der sie wie angewurzelt anstarrte.

Als beide wieder zu sich gekommen waren, küssten sie sich voller Liebe auf den Mund. Der Sohn des Schäfers nahm die Hand von Emilia und führte sie den Berg hinunter zum Meer. Sie blickten auf die Weite des Meeres, das spiegelglatt vor Ihnen lag. Sie sahen sich in die Augen und wussten: Hier würden sie leben und glücklich sein bis an das Ende ihrer Tage.

ENDE

  • Welche Wanderer in deinem Leben machen dir Angst und bringen dich von deinem Weg ab?
  • Wer könnte dich unterstützen, deinen eigenen Weg zu gehen?
  • Gibt es jemand, von dem du gerne mitgenommen werden würdest?

Veröffentlicht von Be happy!

Ich mache Kommunikation, die ins Herz trifft! Mein Herzensprojekt ist mein Be happy-Blog, auf dem sich möglichst viele Menschen über ihre Glücksmomente in Coronazeiten austauschen sollen. So helfen wir uns gegenseitig, Ängste zu überwinden!

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