Experteninterview mit Dominique de Marné über Kraft und Erfolg nach einer psychischen Krise

Liebe Dominique, du bist eine unglaubliche Kämpferin und hast trotz psychischer Erkrankung das Mental Health Café „BERG & MENTAL“ in München gegründet und bist damit eine starke Botschafterin für die Akzeptanz von psychischen Erkrankungen in der Gesellschaft. Wie hast du das geschafft?

Ich habe das mit viel Zeit, viel Arbeit und kleinen Schritten geschafft. Als ich einmal in stationärer Therapie war, ist mir das Stigma aufgefallen, dem Menschen mit psychischen Erkrankungen ausgesetzt sind und dieser wirklich seltsame Umgang. Daran wollte ich unbedingt etwas ändern! Nachdem ich mich selbst in den Griff bekommen hatte, habe ich angefangen, einen Blog zu schreiben, weil ich es Menschen mit psychischen Erkrankungen leichter machen wollte. Ich habe schnell sehr positives Feedback bekommen. Es gab auch Rückschläge, aber mittlerweile schöpfe ich meine ganze Kraft aus meinen Erfahrungen!

Wie gehst du in diesen Zeiten mit deinen eigenen Ängsten um?


Ich habe vor allem Ängste, was mein junges Unternehmen betrifft. Ich habe für Mitarbeiter Verantwortung. Allerdings habe ich nur begrenzten Einfluss auf die jetzige Situation. Ich versuche, mich nicht in Katastrophenfantasien zu verlieren und meine Ängste achtsam zu akzeptieren. Sie dürfen jetzt da sein. Ich finde neue Lösungen wie Online-Vorträge oder staatliche Unterstützungsmöglichkeiten. Und reden mit Anderen hilft, denn dann fühle ich mich nicht allein mit der Situation.

Denkst du, dass durch die Corona-Krise mehr Akzeptanz für psychische Erkrankungen entsteht, weil viele Menschen jetzt psychische Grenzerfahrungen machen?


Ich hoffe stark, dass es in Zukunft mehr Akzeptanz geben wird. Vielen Menschen wird jetzt erst bewusst, dass sie eine Psyche haben. Und auch Unternehmen merken, dass es da eine Komponente bei ihren Mitarbeitern gibt, die sich nicht allein durch den Gang ins Fitness-Studio lösen lässt.
Allerdings weiß ich nicht, ob die Akzeptanz in Bezug auf psychische Erkrankungen wirklich zunehmen wird. Als die Burn-out-Thematik im Mittelpunkt der Medien stand, hat dies meines Erachtens viele psychische Erkrankungen degradiert. Aber zumindest steht die mentale Gesundheit jetzt im Fokus der Medien. Das ist ein Anfang.

Menschen mit psychischen Erkrankungen sind meist krisenerprobt. Können sie durch diese Krisenkompetenz jetzt einen Vorteil haben?


Das ist vielleicht teilweise so. Aber vielen geht es auch sehr schlecht. Die Erfahrungen aus Asien zeigen, dass ¾ des „psychisch gesunden“, medizinischen Personals mit Langzeitfolgen wie Depressionen, Angststörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen hat. Schon allein, wenn man sich vorstellt, dass man bei nur einem Beatmungsgerät entscheiden muss, welcher Patient behandelt wird. Das stelle ich mir extrem belastend vor. Unser medizinisches Personal bräuchte dringend mehr psychologische Unterstützung, um psychischen Langzeitfolgen vorzubeugen!

Wie ist deine Vision für nach Corona?


Meine Hoffnung ist, dass Mental Health ein wichtiges Thema bleibt. Dass wir erkennen, was uns wirklich wichtig in unserem Leben ist und dass wir daran festhalten. Dass wir viele Berufe mehr wertschätzen und die kleinen Dinge des Lebens genießen. Ich würde mich freuen, wenn wir einfach mehr leben würden und aus der Corona-Krise gestärkt hervorgehen. Ich weiß allerdings nicht, ob dies eine Illusion ist. Nach einem Urlaub verfällt man ja auch schnell wieder in den Alltagstrott. Aber vielleicht können wir uns das ein oder andere bewahren.

Was ist deine Message für uns in Corona-Zeiten?


Es gibt nicht den einen richtigen Weg, um mit der Corona-Krise umzugehen! Jeder muss für sich selbst den Weg finden, der ihm am besten tut. Wenn es jemand beruhigt, Klopapier zu horten und den ganzen Tag Nachrichten zu schauen, ist das ok. Genauso ist es ok, einfach mal nichts zu tun. Man sollte sich nicht mit anderen vergleichen und sich unter Druck setzen, dass man jetzt unbedingt backen oder eine neue Sprache lernen sollte. Wir müssen gut auf uns selbst aufpassen und den Moment annehmen. Jetzt ist es so. Setzen wir uns also nicht unter Druck, jetzt unbedingt etwas hinkriegen zu müssen.

Wie kann man das Café BERG & MENTAL jetzt in Corona-Zeiten unterstützen?


Man kann bei uns virtuell einen Kaffee trinken und einen Kuchen essen und uns damit mit einer kleinen Spende unterstützen. Wir stellen jetzt viele Online-Vorträge und Workshops zur Verfügung. Diese in den sozialen Medien zu teilen, würde uns sehr helfen. Zusätzlich haben wir eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, bei der man uns finanziell unterstützen kann. Und natürlich kann man uns gute Gedanken schicken.


Auf Instagram machen wir werktags für 15 Minuten eine Morgenrunde mit Achtsamkeitsübungen, Bewegung und inspirierenden Impulsen. Wir möchten die Menschen damit bei ihrer Alltagsstruktur unterstützen. Schon allein, dass sie merken, wann ein Wochentag ist und wann Wochenende. Das geht ja jetzt manchmal verloren. Ich bin ein großer Fan der Morgenroutine. Dabei tanke ich Kraft für die vielen Aufgaben des Tages.


Vielen Dank für das Gespräch!
(Das Interview führte Sophie Appl.)

www.bergundmental.de

www.mentalhealthcrowd.de

Veröffentlicht von Be happy!

Ich mache Kommunikation, die ins Herz trifft! Mein Herzensprojekt ist mein Be happy-Blog, auf dem sich möglichst viele Menschen über ihre Glücksmomente in Coronazeiten austauschen sollen. So helfen wir uns gegenseitig, Ängste zu überwinden!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: